


Ein Hauch der Weltgeschichte war während des Treffens mit dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper, zu spüren. Der berühmte „Mann mit dem roten Schal” war selbst wie ein spannendes Buch, in dem man tagelang immer neue Kapitel der neuen Geschichte entdecken könnte. Er hat als Regierender Bürgermeister den Mauerfall erlebt und verfügt über eine unheimliche Erzählergabe, so dass ich als Zuhörer das Gefühl hatte, die von ihm erzählte Geschichte wie einen Film vor den Augen zu sehen.
Weronika Worobiej
Das Schlüsselwort unseres Aufenthalts hier - „EU-Erweiterung”, bekam mit der Zeit einen tieferen Sinn. Schon bald werde ich keinen Pass brauchen, um aus Warschau nach Berlin zu fahren. Und wenn ich nach diesen drei Monaten sagen kann „Ich bin ein Berliner” bedeutet dies heute auch, zum Glück, „Ich bin Europäer”.
Cezary Gmyz
Das Gespräch mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse fand ich aus zwei Gründen gut, weil es überhaupt zustande kam, und weil es so offen war. Das Timing des „Briefs der Acht” so zu kritisieren, wie er das gemacht hat, ist schon ein klares politisches Statement. Ein gutes Gespräch zu Beginn eines gelungenen Tages, der mit dem tollen Blick vom Reichstag endete.
Maciej Wiśniewski
Als ich Ende März auf einer Bank vor der Museumsinsel unser Programm vom 3. März bis 28 März las, kam mir ein Gedanke: „Unglaublich, dass ich so viel gesehen, so viel gehört, so viel gelernt habe” - So viel gelernt? Wirklich? Ja, und Informationen nehme ich nicht nur während der Vorträge, Begegnungen und in der Redaktion auf, sondern auch auf der Strasse, in der U-Bahn, in Geschäften.
Alicja Kulik
Berlin ist die Stadt der Zukunft und der Vergangenheit. Obwohl die Mauer
nur als Symbol in der Stadt der Versöhnung erscheint, lebt der „Eiserne Vorhang”
im Denken der Berliner und spaltet die freien Bürger in „Ossis” und „Wessis”.
Michał Jaworski
In diesen drei Monaten habe ich mehr als früher die kulturellen Sichtweisen der Deutschen kennengelernt. Wenn ich in Zukunft über Deutschland berichten werde, fühle ich mich sicherer, denn ich kenne die Strukturen.
Katarzyna Szelemej
Die Berliner Journalistenschule hat es erfolgreich geschafft, uns die Zeit in einer Dichte erleben zu lassen, dass wir kaum gemerkt haben, wie schnell sie verging.
Die persönlichen Kontakte sind das wichtigste. Ich bin in Berlin weniger auf Vorurteile als auf Nichtwissen über Polen gestoßen. Meine WG (nur Deutsche, wie ich es mir auch gewünscht habe) weiß jetzt viel mehr über Polen.
Natalia Wawrzewska
Obwohl ich Berlin schon gut kannte, war ich begeistert von der Vielfalt des Angebots. Ich konnte mich so auf jede Art und Weise besser in das Leben der Stadt vertiefen, und ich hoffe Berlin besser zu verstehen. Das wird ohne Zweifel eine große Hilfe in meiner Arbeit als Journalistin und Multiplikatorin zwischen deutscher und polnischer Kultur sein.
Justyna Golińska
Nach dem Besuch beim Bundestag und meinem Praktikum bei der „Berliner Zeitung” habe ich den Eindruck, dass sich die Deutschen mehr für öffentliches Leben und Politik als die Polen interessieren. In deutschen Zeitungen haben die Journalisten keine Angst, z.B. mit einem Parteitag aufzumachen. In Polen überlegen wir oft, ob wir die Leser mit dieser Thematik nicht langweilen.
Magdalena Kursa
Von Anfang an musste ich selbständig sein und selbständig arbeiten - das war eine schwierige, aber sehr gute Schule für mich. Meine Chefredakteure bei Radio MultiKulti haben mich wie eine deutsche Journalistin behandelt. Am Anfang war ich ein bisschen erschrocken, doch nach ein paar Tagen habe ich mich wie eine normale Angestellte mit allen Pflichten und fast allen Rechten gefühlt.
Katarzyna Tuszyńska
Archiv: Erfahrungen des Jahrgangs 2004 >>
