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Medien - Mittler zwischen den Völkern | Ein Programm der Robert-Bosch-Stiftung mit der Berliner Journalistenschule

»Ich blicke auf eine sehr wertvolle Zeit zurück. Durch die parallele Arbeitsweise bei MTV und beim ZDF konnte ich meinen Blick für die Kontraste zwischen journalistischen Arbeitsweisen schärfen. In Ungarn werden die Redaktionen wieder lernen müssen zwischen den Zeilen zu erzählen - so wie damals im Sozialismus. Ein täglicher Kampf um jedes Wort zwischen Reportern und verantwortlichen Cvds. In Deutschland und anderswo, wo die Pressefreiheit in der Praxis gilt, wird sie hingegen fast schon selbstverständlich wahrgenommen. Ich werde die Möglichkeiten, die mit der freien Berichterstattung verbunden sind, nach meiner Zeit  bei MTV noch stärker wertschätzen und nutzen.«

Fanny Facsar, 30 Jahre, Wiesbaden, ZDF/MTV

»Als Medien-Mittlerin in Georgien war ich ganz nah dran. Zum Beispiel, als Mitte Mai eine kleine, radikale Gruppe der Opposition in Tiflis zu Protesten aufrief, die die Polizei nach einigen Tagen brutal niederschlug. Internationale Nachrichtenagenturen berichteten von „Tausenden“, ja „Zehntausenden“, die sich da angeblich voller Wut auf die Machthaber versammelt hätten. Die Mehrheit der Georgier ist mit Präsident Saakaschwili und seinen Getreuen unzufrieden. Doch von Wut war wenig zu spüren unter den Grüppchen, die da auf dem Freiheitsplatz standen oder auf den Treppen vor dem Parlament hockten. Alte Männer knackten Sonnenblumenkerne, Jugendliche alberten herum und vermummten sich mit bunten Tüchern. Die Fotos hingegen, die über die Agenturen liefen, erweckten den Eindruck, das halbe Land hätte sich auf den Weg in die Hauptstadt gemacht, um das Regime zu stürzen. Diese Bilder waren nicht manipuliert, sie waren nur aus einem geschickten Blickwinkel heraus aufgenommen. Unendlich froh war ich um die Möglichkeit, mit eigenen Augen sehen und anders einordnen zu können.«

Ulrike Gruska, 33 Jahre, Berlin, frei/Liberali

»Kleine große Momente gab es viele. Mich interessieren stets Kontraste. Darum erlebte ich die spannendsten Momente in Rosow. Dort hat ein polnischer Makler Haus und Hof eines verstorbenen Tischlers saniert. Dessen Tochter wohnt noch in dem Haus. Der Makler fand bei den Bauarbeiten Rechnungen des deutschen Tischlers. Seine Kunden saßen in Stettin. Der Makler hat die historischen Dokumente in sein Arbeitszimmer gehängt. Auch seine Kunden kommen aus Szczecin. Die Tochter des Tischlers zitiert derweil ihren Vater. Der habe immer gesagt: „Rosow ohne Stettin – das kann sich keiner vorstellen.«

Alexander Kempf, 28 Jahre, Frankfurt/Oder, Märkische Oderzeitung/Kurier szczecinski

»Am Spannendsten waren natürlich die Aufträge, die aktuell zu erledigen waren: So bin ich kurz nach dem Attentat auf die Minsker U-Bahn mit dem Nachtzug in die weißrussische Hauptstadt gefahren und habe aktuell von dort berichtet. Es war äußerst aufschlussreich, an den dortigen Pressekonferenzen teilzunehmen oder mit den Passanten auf der Straße zu sprechen. Ein weiteres „Highlight“ war meine zweitägige Reise zum Atomkraftwerk Tschernobyl. Das Thema war wegen des 25. Jahrestages der Katastrophe wichtig und ich konnte eine Doppelseite in unserer Zeitung unterbringen. Spannend waren auch die aktuellen Entwicklungen im Fall Timoschenko. An dem Tag, an dem sie von der Justiz fast acht Stunden lang befragt wurde (und erste Gerüchte einer möglichen Verhaftung die Runde machten) befand ich mich gemeinsam mit ihren Unterstützern vor dem Gerichtsgebäude, in dem sie an einem Tag „festgehalten“ wurde – also mitten im Geschehen.«

Jutta Sommerbauer, 33 Jahre, Wien, Die Presse/Zerkalo Nedeli

»Ich habe bei der „Kyiv Post“ hautnah miterlebt, was Selbstzensur bedeutet – und was es bedeutet, dagegen aufzubegehren. In der Ukraine zensieren sich die Medien oftmals selbst, um Repressalien aus dem Weg zu gehen. Das hat mit der Mediensituation in der Ukraine zu tun: Nahezu alle TV-Sender, Radiostationen und Zeitungen werden von Oligarchen bestimmt, die dem Regierungslager von Präsident Viktor Janukowitsch nahe stehen. Ich fand es spannend mich darüber mit Medienkritikern, Journalisten und Experten zu unterhalten. Da ich in Deutschland auch immer wieder Medienthemen behandele, war ich daran besonders interessiert. Und es war schlicht ein Glücksfall, dass ich da gerade in der Redaktion war und mit den Kollegen darüber sprechen konnte.«

Pauline Tillmann, 28 Jahre, Augsburg. frei/TV Inter, Kyiv Post