Medien-Mittler Logo

Medien - Mittler zwischen den Völkern | Ein Programm der Robert-Bosch-Stiftung mit der Berliner Journalistenschule

»In diesen drei Monaten habe ich meine Kenntnisse über das Land wesentlich vertieft. Das war sehr schöne, intensive Zeit voller Erfahrungen. Der März war für uns eine Art Lehrzeit: Treffen von Ort mit Chefredakteuren, Treffen mit Angela Merkels Pressesprecher, das Haus der Wahnsee-Konferenz, die Führung im ZDF, die ehemalige Stasi Zentrale oder das Mittags-Konzert in Berliner Philharmoniker... Spannend für mich war die Recherche über die Antifa, wo ich gesehen habe, wie politisch engagiert die Jugendlichen in Berlin sind. Sehr schön war auch, dass wir nicht nur etwas Neues über Deutschland gelernt haben, sondern auch über unsere Heimatländer informieren konnten. Der Name des Programms hat sich wirklich erfüllt. Es ist keine Einbahnstraße gewesen. Wir haben sowohl über politische, soziale Situation als auch über Pressefreiheit in unsere Länder diskutiert.«

Edita Badasyan, 27 Jahre, Tiflis, Radio Free Europe/ Radio Multicult.fm/ Deutschlandradio Kultur

»Moldau ist ein kleines Land, das zwischen Rumänien und der Ukraine liegt… Zum Glück brauchte ich überhaupt keine Erklärungen dazu abgeben, alle meine Kollegen wussten zumindest etwas über mein Herkunftsland. Das hat mich wirklich sehr gefreut! Der erste Monat in Berlin nicht nur einfach voll mit Veranstaltungen…Er war überfüllt. Was mir im Gedächtnis bleiben wird, ist die kulturelle Extravaganz dieser Stadt: von Plattenbauten bis Moscheen, von traurigen Geschichten bis prachtvollen Jubiläen, von einer antifaschistische Jugend bis hin zur Abgeordneten der Grünen im Pelzmantel, von seriösen Gespräche über die Medienlandschaft bis zu lebendigmn zip-zap Spiel.«

Liudmila Corlateanu, 23 Jahre, Chisinau, freie Journalistin/ Berliner Kurier

»Eine Redewendung besagt: ein Journalist ist ein Dilettant, der fähig ist, ein Gespräch zu einem beliebigen Thema eine Viertelstunde aufrecht zu erhalten. Unser Programm wurde – so scheint es – mit diesem Gedanken zusammengebastelt, so vielseitig war es. Gewerkschaften und Arbeitgeberverband, deutsche Zeitungsverleger und türkisches Radio, Visionen von Europa und innere Integrationsprobleme, Berliner Altstadt und neuer Hauptstadt-Flughafen, ehemalige Stasi-Zentrale und reformierte Bundswehr, Planung des Holocaust im Dritten Reich und neonazistische Umtriebe im gegenwärtigen Deutschland, bildende Kunst der DDR im Kunstdepot Beeskow und moderne Kunst in Kunstmuseum Stuttgart… Die zahlreichen Treffen und Gespräche machten aus uns zwar keine hervorragenden Experten, aber eine Ahnung von allen diesen Themen haben wir schon, um uns 15 Minuten unterhalten zu können. Wir sind ja auch richtige Journalisten.«

Ivan Gayvanovych, 40 Jahre, Kiew, öffentlich-rechtlichtes Radio/ Radio Eins

» "Medien - Mittler zwischen den Völkern" ist der richtige und passende Titel dieses Programms. Wie man in Georgien sagt, jedes Kind ist das Gesicht seiner Familie. Wir sind auch die Gesichter unserer Länder, und jeder von uns hat versucht, sein Land zu repraesentieren. Ich hoffe, es ist uns gelungen. Danke, dass ihr uns so warmherzig aufgenommen habt. Ihr macht einen sehr guten Job, viel Erfolg! Ich werde Euch vermissen. Danke, Deutschland!«


Giorgi Janelidze, 37 Jahre, Tiflis, Human Rights Center/ RBB Brandenburg Aktuell

» „Es ist so gut, dass du Russisch sprichst!“ hat mein Redakteur fröhlich gesagt, als wir in der täglichen Redaktionssitzung über die Fußball-EM in der Ukraine diskutierten. Kurz danach, produzierte ich einen Artikel mit dem Titel „Was Ukrainer über den Boykott denken“. Darin habe ich eine Analyse der ukrainischen Blogs und Presseartikel durchgeführt, sowie einige Ukrainer interviewt. In der globalisierten Welt kann man ohne Meinungsvielfalt keinen Fortschritt erreichen. Trotzdem - und meist mangels Sprachkenntnisse - haben die Medien manchmal keinen Zugriff auf andere Informationsräume wie z.B. den russischsprachigen. Dies führt zur Einseitigkeit und zu einem Schwarz-Weiß-Denken. Deshalb hat es mich sehr gefreut, in meinem Artikel die Meinungen der anderen Seite zu präsentieren und beide Informationsräume einander anzunähern.«

Aleksandra Jolkina, Riga, freie Journalistin/ stern.de

»Die deutsche Journalistik hat einen Vorteil: sie ist im direktem Sinne „ohne Wände“ – in der Redaktion arbeiteten alle Journalisten in einem Raum. Du kannst niesen und 15 Leute sagen dir „Gesundheit“. Bei meiner Heimatredaktion sind die Journalisten getrennt. Die Zeit in Berlin hat mir unschätzbare Erfahrungen geschenkt. Ich entdecke die deutsche Gesellschaft mit jedem Tag, das Leben hier hat mir viel über die Stadt und die deutsche Mentalität erzählt. Hier habe ich unter anderem erfahren, dass die Leute in Deutschland zu Ostern keine Eier segnen, wie es in den Kirchen in Osteuropa üblich ist. Aber dass sonntags alle Läden geschlossen sind, macht mir auch heute noch Stress.«

Illia Lapato, 23 Jahre, Minsk, Zviazda/ Die Welt/Berliner Morgenpost

»Vom schüchternen „Hallo“ bis zum Zusammenwachsen einer Gruppe junger Journalisten aus den verschiedensten Ländern. Der März war nicht nur der Monat, um Deutschland auf den Zahn zu fühlen, sondern auch um persönliche Geschichten über Länder zu erfahren, die angesichts unseres nach Westen gerichteten Blicks oft zu kurz kommen. Berlin zeigte sich wieder mal als historischer Treffpunkt des Ostens.«

Thomas Mell, 31 Jahre, Talinn, Baltic News Service/ Neues Deutschland

»Am ersten März wurde ich von einem kalten Berlin empfangen, was meine Begeisterung für dieses Programm jedoch nicht vermindern konnte. Meine Einstellung vor der Abreise war, diese bunte und lebendige Stadt zu genießen und ein schönes Erlebnis zu haben. Und selbstverständlich viel zu lernen. Der erste Monat, als ich meine Kollegen kennengelernt und mit ihnen jeden Tag zusammen verbracht habe, hat diese Erwartungen mehr als erfüllt. Inzwischen ist auch der Frühling gekommen.«

Ana Nedelea, 32 Jahre, Bukarest, Radio Rumänien International/ Radio Multicult.fm

»Aller Anfang ist schwer! Neue Stadt, neue Gesichter, neue Erfahrungen, neue Kenntnisse... Anstrengend und müde. Alles scheint zu viel. Aber plötzlich wie zuhause, Gefühl von Geborgenheit. Die Gruppe ist endlich zusammen. Alles ist leicht und angenehm. Freude. Und auch schon Angst. Bald geht alles zu Ende. Sehnsucht. «

Anush Petrosyan, 27 Jahre, Jerewan, Presseklub Henaran/ SuperIllu

»Als wir in dem ersten Monat des Aufenthaltes in Berlin ein Thema für eine Reportage auswählen sollten, wollte ich das Thema der „Regenbogenfamilien“ bearbeiten. Niemand von den Kollegen fand das Thema so sehr interessant. Einige konnten es gar nicht verstehen - schwule Eltern können doch keine Kinder bekommen. Dieser Satz hat mir viel Energie gegeben, weil das gar nicht stimmt. Allein in Berlin gibt es Hunderte solcher Familien. Und jetzt sieht so aus, als ob ich im Herbst einen Dokumentarfilm über dieses Thema drehen werde.«

Tomáš Polák, 35 Jahre, Prag, TV Nova/ ZDF MorgenMagazin/ TV Berlin

»Für mich war dieses Programm eine vielseitige Möglichkeit, um nicht nur Berlin, sondern auch deutsche Politiker, Journalisten und Medienexperten sowie andere osteuropäische Medienleute kennenzulernen. Ausserdem war es auch eine große Hilfe für meine Arbeit zuhause, und um die politische Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn besser verstehen zu können.«

Pál Dániel Rényi, 29 Jahre, Budapest, Magyar Narancs/ Financial Times Deutschland

»Für einen Beitrag zum Food Revolution Day habe ich mit dem Kollegen Robert Kalimulin, der im Moment in Estland ein Medien-Mittler ist, zusammengearbeitet. Zum Text haben noch zwei Kolleginnen aus Madrid und Budapest beigetragen, so ist ein bunter, internationaler Beitrag entstanden, der sowohl in Tallinn als auch in Berlin veröffentlicht wurde. Das ist also ein schönes Beispiel dafür, wie Medien-Mittler zusammenarbeiten.«

Àgnes Szabó, 38 Jahre, Budapest, freie Journalistin/ Der Freitag

»Mein Praktikum hatte ich bei „Deutsche Welle TV“. „Deutsche Welle“ Rundfunk kannte ich gut. Das war einer der ersten Radiosender, die ich als Kind gehört hatte. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mein Opa zu seinem sechzigsten Geburtstag von seinen ehemaligen Chemiefabrikkollegen ein neues Radiogerät gekriegt hat. Wir haben abends mit meinem Opa und Papa gesessen und Radio gehört. „Wy sluchajete Deutsche Welle!“ – „Sie hören Deutsche Welle!“ – verkündete die Stimme aus dem Apparat. Die Zeit bei dem Sender hat mir gut gefallen. Ich habe die Journalisten aus der Politikredaktion zu verschiedenen Pressekonferenzen, Terminen, Podiumsdiskussionen, Interviews, Präsentationen und Treffen begleitet. Neben Recherche-, Schnitt-, Studio-, Text-, Aufnahme- und noch vielen anderen Arbeiten habe ich so vieles über deutsche Politik und Abgeordnete gelernt.«

Edita Ulman, 26 Jahre, Swaljawa, Freie Journalistin/ Deutsche Welle TV

»Berufliche und persönliche Bereicherung, kostbare journalistische Herausforderungen und Kenntnisse, bessere Einsicht in ‚deutsche Welt‘, wertvolle multikulturelle Erfahrungen und interessante neue Freunde, Vielfältigkeit und die Energie des Berlins… Alle diese Erwartungen, die ich in meinem Motivationsschreiben im Dezember aufgelistet habe, wurden (und werden eigentlich noch immer) mit meinem 'Medien-Mittler' Erlebnis erfüllt.«

Jasna Vrečko, 32 Jahre, Ljubljana, STA/ dapd

»Ich habe eine Hauptstadt entdeckt, zwei Blogs geschrieben, drei Curry-Würste gegessen, mit Vertretern von vier politischen Parteien gesprochen, fünf Partys besucht, Wörter aus sechs verschiedenen Fremdsprachen gelernt, bin sieben Tage in der Woche auf etwas Neues gestoßen und vor allem habe ich Agi, Aleksandra, Ana, Andrejka, Anush, Clemens, Daniel, 2x Edita:), Giorgi, Iljas, Ivan, Jasna, Marika, Mila, Thomas und Tomáš kennengelernt.«

Martin Weiser, 29 Jahre, Prag, ČTK/ dpa