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Medien - Mittler zwischen den Völkern | Ein Programm der Robert-Bosch-Stiftung mit der Berliner Journalistenschule

»Der Text ist professionell.“ Es war an einem Abend Mitte April, als der Redakteur des Inlandsressorts zu meinem Arbeitsplatz kam und mir diese Worte sagte. Dieser einfache Satz bereitete mir noch für lange Zeit viel Freude. Und als ich nach dem redigieren sah, dass die Struktur meines Textes fast unverändert gebleiben war, freute ich mich noch mehr. Ich hatte es geschafft! Ich schreibe für ein deutsches Medium!«

Toms Ancitis, 28 Jahre, Riga, Latvijas Avize/Neues Deutschland

 

 

zviad

»In der ersten Wochekonferenz stellte ich mich vor. Als die Leute hörten, woher bin ich kam, fragte mich eine Praktikantin, ob ich Russisch sprechen kann. Sie machten eine Umfrage über Tschernobyl und stellten Fragen an verschiedenen bekannten Leute, zum Beispiel Wladimir Kaminer. Es war sehr spannend, fast 15 Leute an diesem Tag zu kontaktieren, um diese zwei Fragen zu stellen. Später bat mich die Auslandsredakteurin Barbara Oertel, einen Artikel über Tschernobyl zu schreiben. Sie zeigte ihn dann einem anderen Redakteur und sagte mir danach, dass er geweint habe, als er meinen Artikel las. Diese Momente werden mir immer bleiben.«   

Iryna Burtseva, 24 Jahre, Lugansk, frei/taz - die tageszeitung

simona

»Die Tschechische Republik ist für Deutschland eine Quelle für Arbeitskräfte (Fach- oder Nichtfach-), für Umsätze und Gewinne (so gehört z.B. Škoda zum VW-Konzern), für Kunden (viele Tschechen gehen regelmäßig in Deutschland einkaufen). Aber sonst wissen die Deustchen wissen Tschechien sehr wenig. Das genau ist der Raum für Medien. Auf beiden Seiten. Für eine Mitarbeit. Ohne Grenzen.«

Alena Capek Dankova, 35 Jahre, Prag, Tschechisches Fernsehen/Akte '11 (Sat1)

asta

»Ich war mit einem Kollegen aus der Redaktion in Neukölln, wo wir uns mit rumänischen Zigeunern getroffen haben. Ich habe meinem Kollegen bei der Übersetzung geholfen. Jeden Dienstag treffen sie sich dort in der Protestantischen Kirche. Dort singen sie Volkslieder und haben Gottesdienst. Wir sprachen mit Ihnen über Probleme der Integration. Sie sind nach Berlin gekommen, weil es hier Arbeit und die gute Medizin gibt.«

Simion Ciochina, 31 Jahre, Chisinau, VIP/Berliner Kurier

darya

»Die Redaktionskonferenz beim RBB fängt immer um 10.15 Uhr an, alle sitzen zusammen und werten vor allem die letzte Hauptsendung aus. In Ungarn bekommen wir keine Kritik, aus der man lernen und sich entwickeln kann. Dass finde ich sehr schade. In Budapest bekommen wir unsere Themen um 9 Uhr. Erst danach können wir recherchieren, Interviews organisieren, Termine machen, die Leute erreichen – das schaffen wir nicht immer. In Deutschland funktioniert die Planung. Und die Redaktion vom Brandenburg Aktuell ist offen für die neuen Medien. Gerade am 1. April haben sie mit der Facebook-Seite angefangen, und schon am zweiten oder am dritten Tag hatte ich die Möglichkeit ein bisschen mitzumachen Dora Diseri  .«

Dóra Diseri, 24 Jahre, Budapest, MTV/RBB Brandenburg aktuell

ganna

»In Erinnerung wird mir eine Dienstreise nach Wiesbaden bleiben. Dort habe ich für meine Gastredaktion ein Interview mit Justyna Polanska vereinbart, der inzwischen bekanntesten polnischen Putzfrau in Deutschland, die den Bestseller „Unter deutschen Betten“ geschrieben hat. Auf der Reise und im Gespräch mit Frau Polanska begleitete mich Claus Christian Malzahn von der WELT, der einst als Korrespondent in Warschau tätig war. Bald stellte sich heraus, seine Familie stammt ursprünglich aus Stargard in Pommern, einer Stadt, die ganz in der Nähe meiner Heimatstadt Stettin (Szczecin) liegt.«

Filip Ganczak, 30 Jahre, Warschau, Newsweek Polska/Die Welt

geczi

»Ein besonders wichtiger Punkt ist der Austausch von Ideen und Fachkenntnissen zwischen den Medienvertretern aus den Teilnehmerländern. Ich habe zusammen mit den anderen sehr wertvolle Erfahrungen gesammelt: wie man Radio in der Ukraine und Georgien macht, wie die Situation in den Redaktionen in Bulgarien und Lettland aussieht, wie Mediengesetze in Ungarn und der Slowakei aussehen. Wir haben vieles voneinander gelernt. Und obwohl wir Vertreter von verschiedenen Medien und verschiedenen Völkern waren, sind wir sehr bald zu einem Ganzen geworden. Einem Ganzen, basierend auf einem gemeinsamen Ziel, einer gemeinsamen Idee: Medien – Mittler zwischen den Völkern.«

Gayane Ghazaryan, 25 Jahre, Jerewan, Öffentliches Radio Armeniens/Deutsche Welle

Liva

»Sehr interessant war, wie eine Redakteurin meinen Artikel korrigierte. „Im Prinzip finde ich es gut“, sagte sie, nachdem sie ihn gelesen hatte. Dann hat sie daran gearbeitet, und am Ende war es ein ganz anderer Artikel, als der, den ich geschrieben habe. Sie hat so viel verändert, damit auch der deutsche Leser es verstehen konnte. Die deutsche Perspektive ist einfach eine andere als die tschechische. Dann gab es ein paar technische Wörter in meinem Artikel, wie zum Beispiel „angebaute Leistung“, die Frau von Salzen als eine „Osteuropa-Expertin“ nicht kennte, weshalb sie die „Energie-Expertin“ zu Hilfe gerufen hat. Es ist faszinierend, wie deutsche Redakteure spezialisiert sind. Sehr oft hab ich in der Redaktion französische oder auch arabische Sprache gehört, wenn die Redakteure für ihre Artikel mit telefonierten.«

 Petr Horký, 30 Jahre, Prag, E15/Der Tagesspiegel

»Drei Monat in Berlin ist für Journalisten sehr wichtig. Ich hatte schon viele Informationen über deutsche Politik und Kultur. Jeden Tag lese ich gewöhnlich deutsche Presse, Zeitungen und Zeitschriften. Aber in Berlin habe ich mehr Informationen bekommen, nicht nur über deutsche Politik, sondern auch über die östliche Partnerschaft der EU. Für mich als georgische Journalistin war das gute Chance zu erfahren, wie Deutsche und andere Europäer über Georgien denken, welche Möglichkeiten wir haben und was wir verbessern sollten.«

Tamar Illuridse, 25 Jahre, Tiflis, Öffentlicher Rundfunk Georgiens/RBB Inforradio

»Die Reise nach Travemünde war ohne Frage der  Höhepunkt meines Praktikums bei DRadio. Teamleiter Claus Bredel sucht seit Jahren die Orte aus, wo eine neue Live-Sendung gemacht werden sollte. Die Hörerinnen und Hören z. B aus Baden-Württemberg lernen mit dieser Sendung Orte im Norden des Landes kennen. Diesmal ging es um das 100-jährige Jubiläum des Segelschiffes „Passat“.  In den 1950er Jahren wurde es als Frachtsegelschulschiff zwischen Europa und Südamerikas Ostküste eingesetzt. Kapitän Sack erzählte uns über das Leben am Bord, beobachtet von unerwartet vielen Zuschauern vor Ort. Die großen Schiffe vor dem Hotelfenster, die Passat, Fischbrötchen. Das alles bleibt für mich eine schöne Erinnerung an meine Hospitanz.«

Hanna Oshchypok, 31 Jahre, Kiew, Radio Ukraine International/DRadio

 

 

»Nur in einer internationalen Besetzung wie bei „Medien-Mittlern“ kann man die kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern wahrnehmen. Da habe ich festgestellt, dass Unterschiede zwischen Deutschen, Slowaken, Tschechen oder Ungaren praktisch nicht vorhanden sind; die gemeinsame Geschichte und die nahe geographische Lage spiegelt sich auch in der sehr ähnlichen Denkweise. Die Teilnehmer, die mehr aus dem Osten und außerhalb der EU gekommen sind, denken ein bisschen anders, da sind die Unterschiede zu Deutschland ein wenig größer. Aber diese Unterschiede und auch die Gemeinsamkeiten machten das ganze Programm so spannend.«

Peter Majer, 30 Jahre, Bratislava, Slowakisches Fernsehen/ZDF-Morgenmagazin

»Wann sonst könnte ich meinen Namen auf Seite 1 der Financial Times Deutschland sehen? Berlin war eine unglaublich tolle professionelle, aber auch unvergessliche Lebenserfahrung. Mein Berlin-Erlebniss hat mir neue Freunde, neue Energie und neue Ideen geschenkt. Danke.«

Zornitsa Markova, 29 Jahre, Sofia, Capital/Financial Times Deutschland

 

 

 

»Bei uns in Armenien gibt es wenige Magazine wie „Zitty“. Dort habe ich gelernt, wie man sich als ein Experte benimmt und den Lesern Tipps gibt, wie ich über eine kulturelle Veranstaltung berichte, eine Filmkritik schreibe oder den Lesern ein Buch präsentieren kann. Da ich bei „Kurier“ viel mit Fotografen unterwegs war und Informationen für den Text recherchiert habe, weiß ich nun auch auch, wie deutsche Fotografen arbeiten. Und kleinere Texte mit starken Titeln und Schlagzeilen einer Boulevard-Zeitung wie dem „Berliner Kurier“ werde ich auch für meine zukünftige Karriere gut nutzen können.«

Ani Matevosyan, 21 Jahre, Jerewan, frei/Berliner Kurier, zitty

»Zwischen der Redaktion von stern.de und der Onlineredaktion der zwei Tageszeitungen "24 chasa" und "Trud" gibt es viele Gemeinsamkeiten. Nur bemühen sich in Sofia nur sechs Online-Redakteure, eigene Inhalte parallel zu den Zeitungsartikeln zu schaffen, während in Berlin 30 Online-Journalisten ohne Magazinstoff ihre Materialien produzieren. Auf beiden Seiten finde ich tolle Leistungen und schöne Werke – mehr gute und themenstarke Artikel und Kommentare als schwache. Beide Redaktionen geben viel Verantwortung an Praktikanten.«

Milena Mileva, 34 Jahre, Sofia, Onlineredaktion von 24 chasa und Trud/Stern.de

»Wenn ich jetzt die Zeitung öffne, lese ich sie anderes: Erstens denke ich nach dem Vortrag über die deutsche Medienlandschaft: Zu welcher Zeitungsgruppe gehört die Zeitung, wer schreibt hier und was? Danach erinnere ich mich an die Presseschau: wie wird das Thema Libyen im Spiegel behandelt, wie wird es in der FAZ beschrieben? Dann die anderen Themen: Nachrichten über den neuen Flughafen BBI (ich lese sie stolz, kenne die Abkürzungen und sowohl die Pro- als auch die Contra-Meinungen), umfangreiche Beiträge über die Atom-Debatte (wir waren dabei – im Bundestag!), ein Spiegel-Gespräch mit Elmar Brok (den wir auch getroffen haben) – ich kann jetzt Deutschland-Themen besser verstehen (…) und konnte deshalb auch viele unterschiedliche Themen beim Praktikum bearbeiten: von Sachsenhausen bis Mauerbau, von Frozen Yoghurt bis Roma in Berlin, von Aschewolke und Chaos am Flughafen Tegel bis zu Heirat am 11.11.2011. Aufträge, die mir ermöglicht haben, die Stadt kreuz und quer zu sehen, und die mir das Gefühl geben, integriert zu sein!«

Ana Saliste-Iordache, 26 Jahre, Temeswar, Banater Zeitung/Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung