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Medien - Mittler zwischen den Völkern | Ein Programm der Robert-Bosch-Stiftung mit der Berliner Journalistenschule

»Am ersten Tag ins kalte Wasser springen!“ hatte mir mal jemand gesagt. Und das Wasser war kalt, ich fühlte mich fremd in der neuen Redaktion, doch plötzlich wurde die Atmosphäre auch angenehm. Den ersten Artikel schon am zweiten Tag des Praktikums zu produzieren, gab mir sehr viel Selbstbewusstsein. Recherchieren, durch die Stadt mit offenen Augen laufen und Themen entdecken, auf Pressekonferenzen gehen – die Arbeit eines Journalisten ist gleich, egal aus welcher Ecke der Welt er kommt.«

Andreea Oance, 25 Jahre, Timişoara, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien

 

 

zviad

»Bei der Produktionsfirma Polyeides habe ich dem Leiter Matthias Zuber ein Fernsehprojekt über den georgisch-deutschen Schriftsteller Grigol Robakidse vorgeschlagen. Weil diese Geschichte sehr umfangreich ist, braucht sie auch viel Zeit zur Vorbereitung. Wir haben entschieden, dass ich diesen zweimonatige Aufenthalt in Berlin auch nutzen werde, um erste Grundlagen für das Projekt zu entwerfen.«   

Zviad Mikeladze, 30 Jahre, Tiflis, frei/Polyeides

simona

»Geschichten über die Mauer, die Stasi und das damalige Ost- und West-Deutschland sind „Evergreens“. Ich war ziemlich erstaunt, als ich bemerkt habe, dass sich nicht nur die Slowenen, sondern auch die Deutsche viele Gedanken über die Vergangenheit machen. Der Eiserne Vorhang und dessen Mauer sind vor 20 Jahre gefallen, aber die umstrittenen Fragen sind geblieben. Und es sieht so aus, dass die Berliner die Mauer noch immer in ihren Köpfen tragen.«

Simona Drevenšek, 29 Jahre, Slowenien, Maribor, frei/zitty

asta

»Wenn ich meine deutschen Kollegen beobachtet habe, stand immer die Frage dabei „und wie würde ich es machen?“  Toll, wir denken ähnlich!!! Obwohl zwischen Litauen und Deutschland tausende Kilometer liegen. Die eigene Fähigkeiten zu prüfen, die Arbeitweisen zu vergleichen, Neues zu erfahren,  die deutsche und die Kollegen aus Mittel- und Osteuropa kennenzulernen – das hat mir „Medien-Mittler“ gegeben.«

Asta Borusevicute, 28 Jahre, Litauen, Vilnius, LRT/N24/ZDF

darya

»Ich treffe selten Gesprächspartner, die mich wirklich begeistern. Mit der ukrainischen Regisseurin Marichka Schubarth habe ich zwei Stunden lang gesprochen. Sie ist die Gründerin des Dokumentar Theater Berlin. Alle Theatertücke basieren auf wahren Geschichten. Ich hörte beeindruckende Lebensgeschichten der Zwangsarbeiter aus der Ukraine in Deutschland während des 2. Weltkriegs, und manchmal merkte ich, dass ich fast weine. Während eines Interviews ist mir das noch nie in meinem Leben passiert.«

Darya Horova, 27 Jahre, Ukraine, Kiew, frei/Deutsche Welle TV

 

ganna

»Vom deutschen Organisationstalent wurde ich schon am ersten Tag meines Praktikums bei ddp beeindruckt. Als ich mich vorstellte, wusste leider keine, wer ich bin und was ich bei ddp machen soll, da mein direkter Betreuer grade im Urlaub war. Aber innerhalb von 20 Minuten wurde für mich doch ein Platz in der Redaktion gefunden, mein persönlicher ddp-Account hergestellt und kleine Exkursion durch die Agentur organisiert. So bin ich in der Berlin-Redaktion gelandet, die für die lokalen Nachrichten zuständig ist. Schon am ersten Tag habe ich ein paar Meldungen verfasst.«

Ganna Snigur-Grabovska, 29 Jahre, Ukraine, Kiew, Ukrinform/ddp

geczi

»Am besten gefiel mir, was man mit einem Ü-Wagen in 30 Minuten alles schaffen kann. Der Reporter ist vor Ort, spricht die Menschen an, sammelt O-Töne und schneidet die besten vor Ort. Und nach einer kurze Absprache mit dem Redakteur im Studio schalten sie ihn live inklusive O-Töne.«

Maria Géczi, 33 Jahre, Ungarn, Budapest, MR1-Radio Kossuth/RBB

Liva

»Man unterschätzt zu Hause die Zeit, die man in einem fremden Land braucht, um zumindest halbwegs seinem Beruf auf dem Niveau nachgehen zu können, an das man zu Hause gewöhnt ist. Man muss guten Mut mitbringen, wenn die Sachen nicht so klappen, wie man gehofft hat: die Interviews platzen, man kriegt eine Absage nach der anderen, bis zwischendurch etwas gelingt. Darauf muss man vorbereitet sein. Berlin ist eine Weltstadt, die jedem die Möglichkeit gibt, etwas nach seinem Geschmack zu finden – man muss nur die Chance ganz fest in die eigene Hand nehmen.«

Liva Melbardze, 31 Jahre, Lettland, Riga, Dienas Bizness/Märkische Allgemeine

»Die Ausbildung, die ich an der BJS bekommen habe, ist eine der besten Chancen für die weitere Karriereentwicklung im Journalismus. Während meines Aufenthalts in der Redaktion habe ich mehr über mich selbst verstanden: mir wurde ganz klar,  dass ich mich weiter mit dem Bereich der digitalen Kommunikationen beschäftigen will.«

Lucy Setian, 23 Jahre, Sofia, Bulgarien, 24 chasa/Berliner Morgenpost

»Plötzlich kam der Ressortleiter Politik zu mir und schickte mich zur Friedrich-Ebert-Stiftung, wo ich den Vorsitzenden der rumänischen Sozial-Demokraten, der größten Oppositionspartei, treffen sollte. Das war interessant, denn in Rumänien kommt man schwer an solche Parteiführer heran. Ich habe die Begegnung für meinen Artikel genutzt, denn ein Paar Zitate zu den aktuellen Protesten und Problemen waren sehr willkommen. Den Rest des Interviews sendete ich nach Rumänien. Die Krise wütet zu Hause, und an Populismus sind die Politiker weiterhin sehr stark gebunden. Ich fühlte mich wie ein Journalist, der zugleich an zwei Fronten arbeitet: für die Heimatsredaktion wie auch die Gastredaktion.«

Matei Dobrovie, 27 Jahre, Bukarest, Rumänien, Foreign Policy/Financial Times Deutschland

 

 

»Die Veranstaltungswochen waren gefährlich. Unsere Egos wurden gestreichelt durch Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Interesse. „Woher kommen sie, wie geht es euren Länder, wie kommt es dazu, dass sie so gut Deutsch sprechen?“, wurden wir von netten Menschen, mit denen die Projektleiter uns bekannt gemacht haben, gefragt.  Bis wir anfingen, uns als VIPs zu fühlen. In der Gastredaktion erwartete die meisten von uns dann eine kalte Dusche. Weil die redaktionelle Alltag immer hektisch ist und Journalisten immer beschäftigt, fokussiert und unter Zeitdruck leidend. In den schlechtesten Fällen auch besserwisserisch oder arrogant. Aber das ist überall so: in Estland, Deutschland, Griechenland oder Indien.«

Mari Peegel, 31 Jahre, Tallinn, Estland, Eesti Päevaleht/Berliner Zeitung

«Nach dieser Erfahrung verstehe ich mehr über andere osteuropäische und baltische Länder, und ich will alle meine neuen Freunde in diesen Ländern besuchen. Berlin ist eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde, und eine Stadt, in die ich zurückkehren werde.«

Sanja Selinsek, 27 Jahre, Ptuj, Slowenien, PeTV/Sat.1/Akte 10

 

 

»Wenn eine Reportage entstehen soll, dann sind im Tschechischen Rundfunk dafür maximal zwei Redakteure notwendig, oft nur einer. Und in Deutschland hat man dafür mehr Mitarbeiter, vor Ort gibt es Stringer, Produzenten, im Studio einen Regisseur, einen Techniker. Meine Erfahrung aus Tschechien ist, dass ich alles allein machen muss. In Deutschland ist es mehr institutionalisiert, was auch besser sein kann, weil es dann professionell gemacht ist.«

Pavel Polak, 29 Jahre, Prag, Tschechien, Tschechische Rundfunk 1/Deutschlandradio

»Meine deutschen Kollegen haben fast einen Kollaps gekriegt, als ich sagte, dass ich jeden der 141 litauischen Abgeordneten auf dem Handy erreichen kann. Den Ministerpräsident auch. Und vom Autorisieren der Zitate ist bei uns nie die Rede. Das hätten sie gerne, haben sie mir gesagt.«

Vytene Stasaityte, 27 Jahre, Vilnius, Litauen, Delfi.It/Stern.de

»Die DW-Redaktion ist wie eine Insel mitten im Regierungsviertel. Hier treffen sich wissenskundige und fleißige Journalisten, um ihre Beiträge zu produzieren. Französin, Türkin, Grieche, Russe, Ukrainer, Engländer, Polin, Bulgarin und auch eine Lettin – sie sind nur ein kleiner Teil der großen DW-Familie in Berlin. Mehrmals sind Kollegen zu mir gekommen um sich über die Situation in Lettland zu informieren Ich fühlte mich als eine Mittlerin mit der Botschaft,  über mein Land zu berichten.«

Marika Kozlovska, 26 Jahre, Riga, Radio Naba/Deutsche Welle

»Nur wenige Tage verbrachte unsere Gruppe in der Schule, in einem Raum. Fast jeden Tag waren wir unterwegs. So bekamen wir nicht nur kalte mündliche Informationen, sondern erleben wir diese Themen alle zusammen. Bundeswehr? – sechs Stunden unter dem Regen. Sonnenenergie? – die Erzeugung der Sonnenbatterien. Das Leben der Minderheiten in Deutschland? – dann fahren wir nach Kreuzberg und gehen in die Moschee.«

Anna Preis, 25 Jahre, Tschernigiw, Ukraine, Wzglyad/Der Tagesspiegel