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Medien - Mittler zwischen den Völkern | Ein Programm der Robert-Bosch-Stiftung mit der Berliner Journalistenschule

Jahrgang 2011

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  • 1. März 2011

    • Begrüßung
    • Vorstellung der Teilnehmer und des Programms
  • 2. März 2011

    • Berlin per pedes – Ein Stadtrundgang mit allen Sinnen
    • Begrüßungsabend im dbb-Forum mit Medienpartnern und Freunden des Programms
  • 3. März 2011

    • Der Flughafen BBI in der Kritik
    • Im Gespräch mit dem Sprecher der Flughafengegner Ferdi Breidbach
    • Auf der Baustelle des neuen Hauptstadt-Airports BBI
    • Im Gespräch mit Leif Erichsen, Pressesprecher BBI
  • 7. März 2011

    • Verständigungsmittel Sprache: Auch ein spielerischer Umgang will gelernt sein – mit Marika Kozlovska
    • Ein Blick in die Presse Bulgariens, Lettlands und Deutschlands


       
  • 8. März 2011

    • Vor Ort – im Haus der Wannsee-Konferenz
    • Vor Ort – zu Besuch beim RBB

    • Vor Ort – im Deutschen Rundfunkarchiv

  • 9. März 2011

    • Vor Ort – beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag
      Die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer aus MOE-Staaten
    • Vor Ort – beim Deutschen Gewerkschaftsbund
  • 11. März 2011

    • Vor Ort – in der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße
      Die Stasi – der Umgang mit dem sozialistischen Erbe
      Uwe Hillmer, Forschungsverbund SED-Staat
  • 15. März 2011

    • Vor Ort – in Stuttgart
    • Besuch im Staatsministerium
    • Gespräche mit Landtagskandidaten
    • Stadtgang und gemeinsames Abendessen
  • 16. März 2011

    • Vor Ort – in Stuttgart
    • Überblick über aktuelle Programme der Robert Bosch Stiftung
    • Das Robert-Bosch-Krankenhaus
  • 17. März 2011

    • Vor Ort – im Deutschen Bundestag
    • Im Plenum auf der Pressetribüne
    • Im Gespräch mit Abgeordneten der Regierungsparteien – CDU und FDP
  • 18. März 2011

    • Vor Ort – an der Gedenkstätte Berliner Mauer
    • Ein Zeitzeuge berichtet:
    • Fritz Mie, Tunnelbauer und Fluchthelfer
  • 22. März 2011

    • Migration und Integration im „Multikulti“-Berlin
      Im Gespräch mit Gunter Piening, Senatsbeauftragter
    • Vor Ort - in der Philharmonie
      Im Porträt ein Klangkörper mit Weltruf
    • Das Lunchkonzert
  • 23. März 2011

    • Vor Ort – bei der Bundeswehr
    • Die Grundlagen deutscher Sicherheits- und Militärpolitik
    • Begegnung mit den letzten Wehrpflichtigen
  • 24. März 2011

    • Vor Ort – beim Bundesverband deutscher Zeitungsverleger
      Ein Disput über die Zukunft der Printmedien mit Anja Pasquay und Hans-Joachim Fuhrmann
    • Vor Ort – bei Radyo METROPOL FM
  • 25. März 2011

    • Mit dem Zweiten sieht man besser
      Studiorundgang beim ZDF und Gespräch mit Thomas Fuhrmann
    • Vor Ort – bei der ZEIT
      Im Gespräch mit Jörg und Mariam Lau
  • 28. März 2011

    • Der Europatag
    • Im Gespräch mit Prof. Eckart Stratenschulte, Europäische Akademie
      und Elmar Brok, EU-Parlamentsabgeordneter der CDU/EVP
  • 29. und 30. März 2011

    • Vor Ort – im Dreiländereck
    • Die Internationale Begegnungstätte
      St. Marienthal
    • Erkundungen diesseits und jenseits der Neiße - in Görlitz und Zgorzelec
  • 31. März 2011

    • Vor Ort – im türkischen Kreuzberg
      Das Kreuzberg-Museum, ein Männercafé, eine Moschee, im türkischen Restaurant
  • 26. Mai 2011

    • Abschiedsfeier des "Medien-Mittler"-Jahrgangs 2011
    • Zeugnisübergabe, letzte Begegnungen und ein Regenbogen
  • 17. - 19. Juni 2011 - Alumnitreffen

    • Europas Medien in Gefahr?
    • Netzwerken und Wiedersehen zwischen den Jahrgängen
  •  

Dienstag, 1. März 2011

Wir saßen in einem sehr bequemen Konferenzraum und warteten auf den Anfang. Es war so interessant, alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen das erste Mal zu sehen. Eigentlich hatten wir uns schon früher kennengelernt – via Facebook, aber das war etwas ganz Anderes. Jeder trat lächelnd ein. Schöne, kluge Augen, aufrichtiges Lächeln… Alle sahen so glücklich aus…  Natürlich besinne ich mich nicht auf alles, was dann passierte, aber in meinem Tagebuch, das ich auf Russisch schreibe, steht: „Der Tag begann sehr erfolgreich, denn wir haben unser Stipendium ausbezahlt bekommen…“

Die erste Aufgabe, die uns Marika stellte, war unsere Erwartungen und Ängste aufzuschreiben. Und was wir für unsere Gruppe machen können. Jeder von uns bekam drei Blätter in verschiedenen Farben: gelb, grün und orange, auf die wir schreiben mussten. Ich war ehrlich und schrieb, dass ich für unsere Gruppe Süßigkeiten bringen kann… Ängste? Selbstredend habe ich Angst vor Verspätungen!

Erwartungen? Meistens sind sie ähnlich: Die deutsche Sprache zu verbessern, neue Bekannte und Freunde zu haben, Berlin zu sehen, zu interessanten und aktuellen Themen zu recherchieren…

Iryna Burtseva

Mittwoch, 2. März 2011

 

Entzifferung mit fünf Sinnen: das war unsere Aufgabe. Also die Stadt sehen, hören, riechen, schmecken und ertasten. Zuerst musste jeder eine Karte ziehen. Jede hatte eine andere Farbe. So wurde entschieden, wer zur welcher Gruppe gehört. Jede Gruppe bekam einige Stichworte. Unsere waren: Beate Uhse, Ku’damm, Gedächtniskirche, Café Kranzler und KaDeWe. Am Anfang hatten wir fast keine Idee, was diese Abkürzungen bedeuten. Eine Frau an der Kasse von einer S-Bahn Haltestelle hat uns geholfen. Hat erklärt, dass Beate Uhse das Erotik Museum ist, Ku´damm der Kurfürstendamm, also die größte Einkaufsstraße von Berlin, dass man vom Café Kranzler eine tolle Aussicht auf den Ku’damm hat, und KaDeWe das Kaufhaus des Westens ist, das einmal den Reichtum von West-Berlin repräsentierten. Wir haben alles gefunden. Wir haben die Gedächtniskirche gesehen, haben die Autos auf dem Kurfürstendamm gehört, haben Currywurst gerochen, den Kaffee im Café Kranzler geschmeckt und haben die Reizwäsche im Erotik Museum ertastet. So haben wir Berlin entdeckt. 

Dora Diseri

Donnerstag, 3. März 2011

Die Argumente von Ferdi Breidbach, Ehrenvorsitzender des Bürgervereins Brandenburg-Berlin, waren sehr deutlich. Am Südrand von Berlin soll ein neuer Flughafen entstehen. Hunderttausende von Bewohnern werden wegen Lärm nicht schlafen und  nicht ruhig leben können. Der BBI gehöre zu den nächstgelegenen „großen“ Flughäfen zur Stadtmitte oder zu bewohntem Gebiet. 

Die Diskussion mit ihm war äußerst interessant. Er behauptete, dass die Baugenehmigungen vom Staat auf irgendeine Weise manipuliert seien, denn auf diesem Gelände sollte eigentlich kein Flughafen stehen. Mehrere Tausende von Bürgern wollen den Bau des Riesenkolosses lahm legen, oder zumindest erreichen, dass die Start- und Landebahnen verlegt werden, damit der Fluglärm nur einen Bruchteil der Bürger belästigt.

Da wusste ich noch nicht, wieweit der Bau des angeblich modernsten Flughafen Europas vorangegangen ist. Vor Ort sieht man schon fast alles: das fast fertige Skelett des Hauptgebäudes, das für 27 Millionen Flugreisenden, die pro Jahr den Flughafen betreten sollen, bestimmt ist. Den unterirdischen Bahnhof für Regional– und ICE Züge, verschiedene Servicegebäude und ein komplettes Straßennetz.

Da fragt man sich, warum die Bürger nicht früher protestiert hatten. Der Bau hat nämlich schon vor vielen Jahren begonnen. Rund 2 Milliarden Euro hat der Bau bis heute verschlungen. Ein Neubau  der Hallen an einem anderen Ort, oder nur die Verlegung der Start- und Landebahnen kann sich meiner Meinung nach auch so ein relativ reiches Land wie Deutschland nicht leisten.

Peter Majer

Montag, 7. März 2011

Wir betreten den Raum. Marika ist schon da. Wie immer positiv und lustig. Der Unterricht beginnt mit Übungen. Warum nicht? Es ist so gut, dass wir uns ein bisschen erfrischen können… Unsere Aufgabe besteht darin, uns mit anderen Sprachen ein wenig vertraut zu machen. Nach dem Spiel sind wir munter und voller Energie.

Es ist Zeit für Zori und Toms, einen kurzen Überblick  über die Nachrichten aus ihren Ländern zu geben. Zori, die Teilnehmerin aus Bulgarien, erzählt Neuigkeiten aus ihrem Land und Toms aus seinem – Lettland.

Nach den Präsentationen lesen wir die aktuelle deutsche Presse. Die drei Hauptthemen in den Zeitungen sind die Notwendigkeit der Bioenergie-Entwicklung in Deutschland, die Bedeutung des Islams und die Situation in Libyen, wo die Regierung das Internet gesperrt hat. Alle Zeitungen schreiben über dieselben Themen, aber sie machen es auf ganz verschiedene Weise.

Iryna Burtseva

 

Dienstag, 8. März 2011

Man sieht es dem Gebäude nicht an. Es steht am Großen Wannsee, über eine Terrasse führt der Weg an den See. Doch die Idylle trügt, denn was sich dort vor nunmehr fast acht Jahrzehnten in der Villa einstiger reicher Fabrikanten und Industrieller, die 1940 vom Sicherheitsdienst der SS als Gästehaus erworben wurde, ereignete, steht in tiefschwarzen Lettern in der Chronik Deutschlands. Am 20. Januar 1942 waren hochrangige Vertreter der SS, der NSDAP und verschiedener Ministerien zu einem Frühstück in das Haus am Wannsee eingeladen. Es währte anderthalb Stunden. Unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich, dem Chef des Reichsicherheitshauptamtes wurde die Kooperation der verschiedenen Dienststellen bei der geplanten Deportation und Ermordung der europäischen Juden verabredet. Adolf Eichmann, der Deportationsexperte, fertigte das Protokoll an. Es dokumentiert in unverhüllter Deutlichkeit den Plan zur Ermordung aller europäischen Juden und die aktive Beteiligung der deutschen Staatsverwaltung an diesem Völkermord. Heute ist dieser Ort des Schreckens eine Gedenk- und Bildungsstätte, die jährlich von Tausenden aufgesucht wird.

 Vom Wannsee bis nach Potsdam-Babelsberg ist es nicht weit. Ein Filmstudio, eine Hochschule für Film und Fernsehen, der Rundfunk Berlin-Brandenburg  und eine Zweigstelle des Deutschen Rundfunkarchivs bilden hier eine Medienstadt. Während der RBB mit seinen Hörfunksendern und einem Fernsehprogramm sich dem „Tagesgeschäft“ widmet, ist im DRA die Geschichte zuhause. Ton- und Bilddokumente, Manuskripte und Publikationen sowie allerlei technische Geräte – wie Wachswalzen und Schallfolien -  geben Auskunft über die Entwicklung des Rundfunks in Deutschland. 

Mittwoch, 9. März 2011

Wir machen uns keine Illusionen, dass nach dem 1. Mai die Arbeitnehmer aus den östlichen Ländern den deutschen Arbeitsmarkt in Massen stürmen werden. Die Einschätzung hören wir heute zwei Mal. Zuerst sagt das Ute Brüssel, Pressesprecherin vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Später hat das auch Alexandra Kramer vom Deutschen Gewerkschaftsbund  (DGB) wiederholt.

Es ist selbstverständlich, dass Ute Brüssel keine Sorge vor der Öffnung des Arbeitsmarktes hat. Sie repräsentiert die Unternehmer. Für die Unternehmer bedeutet ein größerer Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt immer niedrigere Kosten und ein großes Angebot von Arbeitskräften. Es kann nicht schaden. Es kann nur mehr Gewinn geben.
Ein wenig überrascht es uns,  dass „die Opposition der Unternehmer“ – der Deutsche Gewerkschaftsbund – sich auch nicht viele Sorgen macht. Natürlich, sie nennen die Öffnung des Arbeitsmarktes und wahrscheinliches Lohndumping als einen Grund, warum der Mindestlohn eingeführt werden muss.

Eine Hürde bildet die Sprachbarriere. Denn es ist nicht genug, in Deutschland „etwas Deutsch zu sprechen“. Sogar „gut Deutsch sprechen“ ist nicht immer genug. Oft ist nur „Deutsch als Muttersprache“ gut genug. Außerdem braucht Deutschland meistens qualifizierte Arbeitskräfte. Deutschland ist eine starke Exportnation. Und für den Export braucht man nur ausgebildete Arbeitnehmer.

Toms Ancitis

Freitag, 11. März 2011

Geblieben ist nur ein Gebäudekomplex im Nordosten Berlins, in Lichtenberg, in der Normannenstraße. Er beherbergte einst das Hauptquartier des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Hier residierte Erich Mielke, der langjährige Stasichef. Hier dienten Tausende nur einem Ziel: die DDR-Bevölkerung zu überwachen, einzuschüchtern, zu drangsalieren. Uwe Hilmer wird nicht müde,  Details an Details aufzulisten und Zusammenhänge zu erklären. Viele beschleicht ein ungutes Gefühl, denn Erinnerungen werden wach an ähnliche Praktiken in ihren Heimatländern.

Dienstag, 15. März 2011

stasi

Die erste Station war das Staatsministerium Baden-Württemberg - die schöne Villa Reitzenstein. Wir wanderten durch gemütliche Räumlichkeiten. Insbesondere haben mir das runde Zimmer und die Bibliothek gefallen. Es schien so, als wäre es der beste und der teuerste Platz in Stuttgart. Obwohl mehrere von uns schon Lust auf Frühstück hatten, war noch ein ernstes Thema für uns geplant. Und zwar das Gespräch mit der Referatsleiterin Suzana Neib.  Im Gespräch ging es um Osteuropa, vor allem um die Donaustrategie. Traditionell gab es Kaffee und eine süddeutsche Spezialität – Brezel. Gerade recht.

Am Nachmittag trafen wir uns mit Politikern. Im Mittelpunkt standen zwei Themen: der neue Bahnhof –Stuttgart 21 und die Landtagswahlen in Baden-Württemberg.  Diese zwei Themen bewegen derzeit die Bürger in diesem Bundesland.

Das Abendessen im Restaurant Plenum war ein schöner Abschluss  unseres ersten Tages in Stuttgart. Irgendwo in der Mitte des Abends hat jemand von uns das Klavier im Raum entdeckt. Da ging es los. Die Lieder aus sowjetischen Zeiten konnten mehrere singen. Und dann – gar nicht schüchtern – sangen Medien-Mittler Lieder aus ihren Ländern. Ohne Zweifel  brachte dieser Abend uns noch enger zusammen.

Hanna Oshchypok

Mittwoch, 16. März 2011

Das Krankenhaus „Robert Bosch“ ist  kein typisches oder kaltes Krankenhaus. In der Klinik hat mich die Kunst mit hellen Farben überrascht und berührt. Ich habe nicht erwartet, dass man auf so hohem Niveau mit der Natur ganz harmonisch im Einklang lebt. Eine neue Welt – eine Entdeckung für mich.

Der Überblick über die aktuellen Journalistenprogramme der Stiftung „Robert Bosch“ hat viel Sonnenschein für die Zukunft versprochen und die Grenzen von Stuttgart überschritten, weil damit die gegenseitigen Interessen über einen Gedankentausch  sowie eine Zusammenarbeit, und das Kennenlernen anderer Länder etc. möglich ist.

Milena Mileva

Donnerstag, 17. März 2011

Wir treffen uns unter der Brücke über der Spree, von dort sind es nur ein paar Schritte zum Bundestag. Mit unseren roten Presseausweisen kommen wir durch die Sicherheitskontrolle relativ einfach rein. Sechshundertzweiundzwanzig Abgeordneten sitzen unter der Kuppel, die von dem weltberühmten Architekten Norman Foster gebaut wurde.  Dadurch kommt Tageslicht rein, was nicht nur symbolisch ist, sondern auch schön und praktisch.

Ein wenig Aufregung, als wir Angie sehen (“Oooh, das ist Angie!”). Im Blauen Sakko, sie sitzt ganz im vorne, und spielt mit ihrem Handy unter dem Tisch. Guido sitzt neben der Kanzlerin, Herr Schäuble sitzt im Rollstuhl. Ursula von der Leyen ist auch da, Herr zu Guttenberg nicht mehr. Die Stimmung ist gespannt – es geht um die Zukunft der Kernkraft im Licht der Atomkatastrophe in Japan.
Es redet der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), ein politisches Schwergewicht in der deutschen Politik, zurzeit in der Opposition. In seiner zündenden Rede attackiert er Merkel wie einen argen Feind. Sie reagiert gar nicht, nur ein dezentes Lächeln - dann widmet sie sich wieder ihrem Handy. Nach dem Essen treffen wir den CDU-Mann Schockenhoff. Er spricht ziemlich generell, aber zum Glück ist Kaffee da.

Das letzte Treffen findet  im Jakob-Kaiser-Haus II statt - mit Herrn Bijan Djir-Sara und Frau Marina Schuster, zwei Auslandsexperten der FDP. Am Anfang sagt niemand sagt etwas. Dann bricht Peter mit der ersten Frage die Stille „Gibt es noch Probleme mit der Slowakei? Was denken sie über das ungarische Mediengesetz? Wann wird Kroatien in die EU aufgenommen? Und wann die Türkei? Wann verlassen die deutschen Truppen Afghanistan? Und ist Demokratie schon da?" So anregend und spannend endet der regnerische Tag im Bundestag…

Peter Horký

Freitag, 18. März 2011

Der Referent hat eine klangvolle Stimme: „Mein Name ist Robert Liebscher und ich habe das Vergnügen, mit Ihnen die nächsten sechzig Minuten einen Rundgang durch das historische Gelände der Bernauer Straße zu machen.“ Auf diesem Rundgang möchte er uns zwei Dinge näher bringen – zum einen die Berliner Mauer im Original zeigen, weil es heute in Berlin nur ganz wenige Orte gibt, wo man von dieser Mauer noch etwas sehen kann. In der Bernauer Straße gibt es noch einen ganzen Abschnitt des so genannten Todestreifens. Und zweitens – der Referent möchte uns nicht nur über Drähte und Beton erzählen, sondern vor allem etwas über die Menschen. Der Rundgang ist sehr interessant und dauert am Ende viel länger als eine Stunde. Stacheldraht, Menschen, Beton, Tote, Kinder, Soldaten, Moral, Gewissen…


Genau um 13.30 Uhr sitzt im Konferenzraum ein alter Mann – Zeitzeuge. Fritz Mie. Er ist am 12. August 1961, ein Tag bevor die Mauer gebaut wurde, aus Potsdam nach West-Berlin geflüchtet. Fritz Mie ist jetzt 71 Jahre alt. Er erzählt, mehr als 20 Jahren nachdem die Mauer abgerissen wurde und aus der Welt verschwunden ist, von einer uns unvorstellbaren Geschichte der Leute, die zwischen Ost- und Westberlin eine Verbindung, einen Weg in die Freiheit suchten. Fritz Mie hat bei dieser Sache Pate gestanden, genauer gesagt – er hat mit anderen Leuten einen Tunnel gegraben.
Konnten Sie sich damals vorstellen, dass die Mauer mal stürzt? „Nein. Niemals. Für uns war es endgültig. Das war nicht vorstellbar.“ Eine klare Antwort.

Alena Capek Dankova

Dienstag, 22. März 2011

Wir diskutierten über die Bekämpfung von Vorurteilen und Rassismus, über das Problem der bulgarischen und rumänischen Roma, über die Maßnahmen, die dabei getroffen werden müssen, aber auch über die Bedeutung der Einwanderer, die einen großen Beitrag für die kulturelle Vielfalt Berlins leisten. „Ohne Einwanderer wäre Berlin eine tote Stadt“, sagt Günter Piening, der Integrationsbeauftragte.
Der multikulturelle Charakter lässt sich unter uns eigentlich täglich spüren. Wir sind als Gruppe täglich von „Multikulti“ geprägt: wir essen leckere ukrainische Suppe von Irina, sind „Novinari“, genießen armenisches Klavierspielen, diskutieren über die Presse in Georgien und verkosten ungarischen Gulasch. Daher auch das Lächeln von manchen Kollegen und das zustimmende  Kopfnicken  als Piening über das „Gefühl des Zuhause-Seins in Berlin“ sprach. Jeder kennt das, jeder hat diese Freundlichkeit und Gemütlichkeit der Stadt mindestens einmal erlebt.
Gegen Mittag ging es in die Berliner Philharmonie. Im Gebäude des Architekten Hans Scharoun musizieren 129 Künstler aus allen Teilen der Welt. Besonders beeindruckend: der Konzertsaal mit seiner einzigartigen Form und der Tatsache, dass bei allen Einzelheiten (Stühle, Polster, Struktur), die Akustik in Betracht gezogen war. Anschließend haben wir uns das Lunchkonzert angehört zusammen mit den zahlreichen Besuchern, die es sich einfach auf Treppen, auf dem Fußboden und auf den Gängen bequem machten, um die Musik zu genießen.

Ana Saliste-Iordache

Mittwoch, 23. März 2011

 

Hauptmann Rühlicke begrüßt uns schon am S-Bahnhof. Wir sind in Strausberg, mehr als 34 Kilometer von Berlin entfernt. Hier, in der Barnim-Kaserne, hat das IV. Bataillon des Luftwaffenausbildungsregiments seinen Standort. Wir besuchen die Bundeswehr.

In einem kleinen Saal gibt uns Dr. Stephan Böckenförde eine kurze Einführung. Das Ziel der Bundeswehr sei es, so der Wissenschaftler, „dem Frieden der Welt zu dienen“. Eines der Bilder in seiner Powerpoint-Präsentation zeigt die Ruinen von Warschau 1944. Fazit: Von der Geschichte hat man hier in Deutschland gelernt.

Zu Mittag wird in der Truppenküche gegessen. Dann geht es weiter ins Übungsgelände. Wir beobachten junge Rekruten, die gerade ihre Grundausbildung absolvieren.

Das absolute Highlight des Programms ist  der Schießsimulator. Hier dürfen einige von uns die Waffe in die Hand nehmen. Man fühlt sich, als wäre man selbst Soldat.

Bald treffen wir Oberstleutnant  Koch. Libyen, Afghanistan, Guttenberg-Rücktritt… Der 42-jährige Profi beantwortet unsere Fragen erstaunlich offen.

Filip Ganczak 

 

Donnerstag, 24. März 2011

Während des Besuches beim Bundesverband deutscher Zeitungsverleger habe ich ein Thema erkannt, welches unseren Alltag in der Zukunft prägen wird. Nämlich die Pressefreiheit und wie sie gefährdet ist, besonders durch die Krise, aber nicht durch sie.
Es gibt viele Ursachen für die heutige Begrenzung der Medienfreiheit. In vielen Fällen sind die Medien durch die Krise finanziell sehr schwach geworden und können deshalb leicht von politischen oder wirtschaftlichen Einflüssen abhängig werden. Es gibt einige Regierungen, die ganz populistisch agieren und alle Informationsquellen unter Kontrolle haben möchten. Dazu kommt auch die Tatsache, dass mit dem Internet das Businessmodell der Printmedien  einfach gebrochen wurde. Die Auflagen reduzieren sich jedes Jahr ebenso wie die Einnahmen aus Werbung. Das macht das Überleben der traditionellen Medien noch mehr zu einer Herausforderung.
Doch wie wir bei diesem Gespräch erfahren haben, gibt es so eine richtige Gefahr für die deutschen Zeitungen nicht. Woran kann das liegen? Sicherlich, denke ich mir, gibt es einen Zusammenhang damit, dass die Leser in Deutschland sich “konservativ” zeigen. Hier ist der größte Markt in Europa, Zeitungen werden immer noch sehr viel gelesen und die neuen Medien verdrängen die traditionellen nicht. Das hat den Zeitungen während der Krise geholfen, in der Mehrzahl stabil zu bleiben und keine zu großen finanziellen Verluste zu haben.

Zornitsa Markova

Freitag, 25. März 2011

Die Straße Unter den Linden ist eine der angesagten Adressen in Berlin-Mitte – zwischen Schlossbrücke und Brandenburger Tor. Große Firmen haben hier ihre Repräsentanzen, Botschaften ihren Platz und Cafes reihen sich aneinander. Und dazwischen residiert das ZDF – mit dem Hauptstadtstudio und mehreren Redaktionen wie Frontal 21, aspekte und nicht zu vergessen dem ZDF-Morgenmagazin. Nach einem Rundgang durch die Technikräume und Studios, in denen so gut wie nie das Licht ausgeht, steht der Leiter der Redaktion des Morgenmagazins, Thomas Fuhrmann, Rede und Antwort. Einer hört besonders gut zu: Peter Majer, TV-Journalist aus Bratislava - im April und Mai hospitiert er beim Morgenmagazin.

Repräsentativ ist auch die nächste Adresse: Das Hauptstadtbüro der Zeit, deren Konferenzraum auf dem Dach genau in der Sichtachse zwischen Fernsehtrum und Brandenburger Tor liegt. Die liberale Wochenzeitung geht stabil durch die Krise, weil sich die Leser von ihr Orientierung erhoffen. Doch wie geht ein Redakteur mit der Katastrophe von Fukushima um, der sich immer für die Kernkraft ausgesprochen hat? Ein der vielen Fragen in einem spannenden Gespräch.

 

Montag, 28. März 2011

Die Frage des Tages war für mich: wann werden sich die Republik Moldau, Armenien, Georgien und die Ukraine der EU anschließen? Für mich ist die EU nicht nur ein Name, sondern die Familie. Denn wo ist der Unterschied zwischen der EU und Europa? Können wir als ein Nicht-EU-Land in der europäischen Familie sein?
Professor Eckart Stratenschulte hat den Tag mit Fragen zu Europa begonnen. Das erste Thema war die Krise in der EU. Er sprach über die Wirtschaftskrise in den Ländern Europas und über die Erweiterung der EU. Ist es für die EU besser, sich um die inneren ökonomischen Probleme zuerst zu kümmern und dann anderen Staaten anzubieten, Mitglieder der EU zu werden?
Den Ländern, die Mitglieder der EU werden wollen, empfahl der langjährige Europaabgeordnete Elmar Brok, dass sie zunächst die inneren Konflikte zu lösen haben. Warum ist es für die EU so wichtig, dass zuerst die "Hausaufgaben" in diesen Ländern gemacht werden? Es ist offenbar so, dass die EU "leise" Nachbarn haben will. Eine pragmatische Sicht. Aber ein beliebiger Konflikt in einem Land kann zu vielen Problemen in ganz Europa führen. Das Interesse der EU ist es deshalb, stabile Nachbarn mit  demokratischen politischen Regierungen zu haben.
Es scheint, dass dies die Perspektive ist – sowohl für die ökonomische Stabilisierung  der EU als auch für die zukünftigen neuen EU-Mitglieder.
Simion Ciochina

Dienstag, 29. und Mittwoch, 30. März 2011

Wir genießen einen sonnigen Morgen. Die Lausitzer Neiße ist hier nicht besonders breit. Von der deutschen Seite sieht man einen polnischen Grenzpfosten am anderen Ufer. Auf dem Klostergelände steht ein Denkmal des polnischen Papstes Johannes Paul II. Das alles schenkt mir ein wenig Heimatgefühl. Besser noch: In St. Marienthal kann man, zumindest draußen, polnische Mobilfunknetze empfangen. Meine Freundin ruft mich an. „Grüße nach Warschau!", sage ich zum Schluss.

Am anderen Tag sind wir in Zgorzelec. Kaum haben wir die Stadtgrenze überschritten, begrüßen uns überall deutschsprachige Schilder: „Treffen mit Journalisten 2. Stock". So finden wir ganz einfach den Weg zum Kreisratsamt.

Bürgermeister Rafał Gronicz empfängt uns höchstpersönlich. Noch vor wenigen Jahren war der leidenschaftliche Angler und Blogger als Berater bei der Deutschen Bank tätig. Nun ist er unter anderem für die Zusammenarbeit mit der benachbarten deutschen Stadt Görlitz zuständig.

Das Thema des Treffens: Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes am 1. Mai. Ehe das erste Wort gesprochen wird, sagt uns Petr, was als Fazit zu erwarten ist: „Eine Flut von Arbeitnehmern aus Polen wird es nicht geben".

Nach der spannenden Diskussion gehen wir zu Fuß nach Görlitz. Als Zwillingsstädte werden oft Zgorzelec und Görlitz bezeichnet. Doch eineiige Zwillinge sind es bestimmt nicht. Zgorzelec: Graue Häuser, marode Straßen, fröhliche Menschen. Görlitz: Schön renovierte Fassaden, gute Infrastruktur, Pessimisten und Schwarzmaler. Zusammen wollten die beiden Städte zur Kulturhauptstadt Europas gekürt werden.

In der Görlitzer Jägerkaserne hat die Stadtverwaltung ihren Sitz. Hier wird uns die Görlitzer Welt erklärt. Dabei erfahren wir, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Mit etwa 5.000 leer stehenden Wohnungen ist auch in Görlitz die Stadtsanierung längst kein abgeschlossenes Kapitel.

Filip Ganczak

Donnerstag, 31. März 2011

Treffpunkt ist das Kreuzberg-Museum. Hier wird die Geschichte des einstigen Arbeiterbezirks an Straßenmodellen, Wohnungseinrichtungen und Schautafeln dokumentiert. Inzwischen wohnen hier viele Türken, einige bereits in der dritten Generation. Eine von ihnen ist Zehra, eine hübsche junge Frau mit einem Kopftuch. Immer lächelnd und mit einem nahezu nie endenden Wortschwall, ob sie von ihrem Vater erzählt, der in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Berlin kam und blieb, ob sie erklärt, was ein Männercafe ist, wo Frauen nur selten zu sehen oder, ob in der Moschee, in der sie mit gedämpfter Stimme das des Mittagsgebetes erläutert und als sie schließlich in einem türkischen Restaurant die Zusammensetzung der Speisen beschreibt und „Guten Appetit“ wünscht.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Nach zwei erlebnisreichen und manchmal anstrengenden Monaten voll neuer Erfahrungen ein letztes offizielles Treffen. Ein Restaurant am Ufer der Spree vor der malerischen Kulisse der Oberbaumbrücke, die Friedrichshain (Ost) mit Kreuzberg (West) begrüsst, zwei Bezirke, die in den Wochen davor auch Schauplatz vieler kleiner und größerer "Medien-Mittler"-Treffen waren.

Direkt vor der Übergabe der Zertifikate erscheint auch noch ein Regenbogen über der Spree und überzieht die Festgesellschaft aus Stipendiaten, Medienpartnern und langjährigen wie neu gewonnenen Freunden des Programms mit einen unwirklichen Glanz.

Auf Wiedersehen - in Berlin und vielen anderen Orten dieser Welt.

Bloggen und Pressefreiheit in Temeswar

„Europas Medien in Gefahr? – Staatliche Einflussnahme und neue Herausforderungen durch soziale Netzwerke“ war das Thema des „Medien-Mittler“-Jahrestreffens, zu dem knapp 20 Alumni vom 17. bis 19. Juni 2011 ins rumänische Temeswar/Timisoara kamen. Viele der Vorträge befassten sich mit der Pressefreiheit und deren Gefährdung in den Herkunftsländern der jungen Kolleginnen und Kollegen, wobei das diesjährige Gastland Rumänien und dessen Nachbar Ungarn mit seinem umstrittenen Mediengesetz einen Schwerpunkt bildeten.

Einen weiteren Fokus bildete das Thema Blogs und soziale Netzwerke, sowohl in Verknüpfung mit dem Thema Pressefreiheit, etwa in dem litauischen Beitrag zur Einflussnahme durch Jugendschutzgesetze als auch unter dem Gesichtspunkt der Auswirkungen auf klassische Medien.